Freischaren Lenzburg

Das Lenzburger Freischarenmanöver ist ein traditionsreiches, historisches Landschaftstheater und Volksfest, das alle zwei Jahre im Rahmen des Lenzburger Jugendfestes im Kanton Aargau stattfindet.

Ein lebendiges Stück Schweizer Tradition!

Seit über 170 Jahren pflegt die Stadt Lenzburg diesen einzigartigen Brauch, der tief in der lokalen Identität verwurzelt ist und Zuschauer aus nah und fern anzieht.

Freischarenmanöver Lenzburg

Das wichtigste in kürze:

Ab ca. 13:00 Uhr  beginnt die Besammlung der einzelnen Freischarenzüge rund um den Hypiplatz Lenzburg.

13:35 Uhr geht es zum Freischarenplatz für die Kriegserklärung.

14:00 Uhr beginnt der Abmarsch der Kadetten und Freischaren durch die Rathausgasse Lenzburg (sieh Route auf der Karte)

zwischen 14:45 und 15:30 Uhr gibt es rund um den Gofi die Manöverschauplätze (siehe Karte). Je nach Ernte der Bauern können die Flächen von Jahr zu Jahr variieren.

ab 16:00 Uhr treffen die ersten Züge auf der Schützenmatte Lenzburg ein für das Schlussbild.

ca. 17:00 Uhr feiern die Kadetten ihren Sieg und ziehen in Richtung Altstadt.

17:15 Uhr Freischarentanz auf dem Tanzboden.

17:45 Uhr Entlassung der Freischaren auf dem Freischarenplatz.

Die Freischaren haben die Aufgabe auf dem Weg zu den Manövern ihre Schminke zu verteilen und je mehr Schminke eine Person im Gesicht hat um so bedeutender ist Sie für die Stadt Lenzburg. Es ist eine Ehre an diesem Nachmittag ein verschmiertes Gesicht zu haben!

Der Schlachtruf Honolulu dürfen auch die Zuschauer kraftvoll erwidern, hier gilt: Ein Freischar ruft HONOOOO und ihr Antwortet ganz einfach mit LULUUU. Das dürft ihr an diesem Nachmittag auch 50x schreien, das gehört dazu!

Alle Freischaren sind an diesem Tag ziemlich lustig unterwegs und haben Spass im Kopf, das dürft ihr gerne mit verbreiten im Publikum. Es ist der Tag an dem alles andere in der Stadt still steht und der Spass im Vordergrund steht!

Historischer Ursprung

Die Geschichte des Freischarenmanövers reicht bis ins Jahr 1852 zurück, als die erste Auflage dieses Spektakels stattfand. Der Ursprung der Lenzburger Freischaren ist jedoch weniger auf die innereidgenössischen Freischarenzüge der 1840er Jahre zurückzuführen, sondern vielmehr auf den deutschen Revolutionär und Abenteurer Ludwig Blenker.
Nach einem gescheiterten Aufstand in Süddeutschland suchte Blenker mit seinen wilden, undisziplinierten Truppen Zuflucht in der Schweiz und zog dabei auch durch Lenzburg. Die bärtigen Männer, begleitet von Marketenderinnen und schwer beladenen Planwagen mit Raubgut, hinterließen einen bleibenden Eindruck bei der Lenzburger Bevölkerung. Kurz nach diesem denkwürdigen Besuch fand das erste Freischarenmanöver statt, das offensichtlich von Blenkers Truppen inspiriert war.

Die Freischaren-Commission und der Schlachtruf «Honolulu»

Das Lenzburger Freischarenmanöver ist nicht nur ein beeindruckendes Landschaftstheater, sondern auch ein logistisches Meisterwerk. Hinter den Kulissen sorgt eine engagierte Organisation für den reibungslosen Ablauf, während auf dem Feld ein ganz besonderer Schlachtruf die Truppen motiviert.

Die Freischaren-Commission

Die Organisation und Durchführung des Manövers liegt in den Händen der Freischaren-Commission (traditionell mit «C» geschrieben). Diese Kommission besteht aus über 50 engagierten Personen, die unterschiedlichste Aufgaben übernehmen.

Zu den Mitgliedern gehören unter anderem:

Zugführerinnen und Zugführer
Kadetteninstruktorinnen und -instruktoren
Der/Die Dirigent-in der Freischarenmusik
Die Chefin der Marketenderinnen
Der Tambourmajor und der Chefkoch der Freischarenküche
Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere, teils historisch anmutende Chargen wie Burgenbauer, Funkerchef, Feldscher, Fähnrich, Feldschreiber, Geheimrat und Munitionschef.
Das zentrale Führungs- und Koordinationsgremium ist der Ausschuss der Freischaren-Commission. Dieser setzt sich aus den wichtigsten Funktionären zusammen: dem Präsidenten, dem General, dem Stabschef der Freischaren, der Stabschefin der Kadetten, dem Säckelmeister, dem Chef Logistik, dem Chef Cortège und Sicherheit sowie der Gwandmeisterin.

Der Schlachtruf «Honolulu»

Wenn die Freischaren in die Schlacht ziehen, erschallt aus hunderten Kehlen ein dreifaches, ohrenbetäubendes «Honolulu!». Dieser exotisch klingende Schlachtruf ist ein unverwechselbares Markenzeichen der Lenzburger Freischaren und begleitet sie zuverlässig bei jeder ihrer traditionellen Niederlagen gegen die Kadetten.

Ursprung und Erfinder

Die erste urkundliche Erwähnung des Schlachtrufs stammt aus einem Protokoll des Freischaren-Comitées vom 3. September 1928. Darin hielt Boris Schwarz im Rückblick auf das Manöver fest:

«Ein Kriegsruf (Honolulu) hat sich als vorteilhafter Faktor des Corpsgeistes erwiesen.»

Als Erfinder des Rufs gilt Gustav Ferdinand Zeiler, der Sohn des Gründers der bekannten Lenzburger Konservenfabrik Hero. In den Jahren 1911 und 1912 reiste Zeiler zu Studienzwecken auf die fernen Ananas-Plantagen von Hawaii und besuchte dabei auch die Hauptstadt Honolulu.
Neben dem Fachwissen über Konserven brachte er offensichtlich auch diesen wohlklingenden Namen mit zurück nach Lenzburg. Später, in den Jahren 1950, 1952 und 1956, amtete Zeiler selbst als Freischarengeneral und festigte so das Erbe seines exotischen Schlachtrufs.

Die Macher des Freischarenmanövers

Das Lenzburger Freischarenmanöver ist nicht nur ein beeindruckendes Landschaftstheater, sondern auch ein logistisches Meisterwerk. Hinter den Kulissen sorgt eine engagierte Organisation für den reibungslosen Ablauf. Wir haben uns mit zwei zentralen Figuren der Freischaren-Commission getroffen, um mehr über ihre anspruchsvollen Aufgaben zu erfahren.

Stabschef Stefan Zingg

Der Dirigent des Landschaftstheaters

Stefan Zingg, in Freischarenkreisen besser bekannt als «Stefano calcio di rigoro», ist der amtierende Stabschef der Freischarenkommission. Für ihn ist das Manöver weit mehr als eine blosse Veranstaltung – es ist ein «Stück Heimat», gelebte «Lebensfreude» und ein Traditionstheater, das die Zusammengehörigkeit in Lenzburg enorm stärkt.

Sein Weg zum Freischärler führte klassisch über die Kadettenzeit und seinen lokalen Fussballclub. Das Amt des Stabschefs übernahm er «über Nacht», als ein Vorgänger ausfiel, und er trägt es heute mit großem Stolz.

Die Organisation des Manövers ist für ihn ein fortlaufender Prozess über zwei Jahre. Besonders intensiv wird es in der Jugendfestwoche:
Wochenende: «Rekognoszierung» des Geländes und Absprache mit den Landwirten. Unter Hochdruck bearbeitet er die Einsatzkarten und definiert rote (gesperrte) und grüne (begehbare) Zonen.
Montag: Geländebegehung mit allen Zugführern und Kadetteninstruktoren.
Donnerstag: Kostümausgabe und «Mutmach-Apéro».
Freitag (Manövertag): Koordination des Aufmarsches, Übergabe des Korps an den General und Überwachung des gesamten Ablaufs.
Eine ganz besondere Tradition hat Stefan Zingg zudem beibehalten: Während des Frühschoppens «stürmt» er in voller Montur das Rathaus, um dem General und den Behörden mit einem Augenzwinkern eine feurige «Brandrede» zu halten.

Sicherheitschef Manuel Silva

Sicherheit trifft Tradition

Ein unfallfreies Manöver mit hunderten Beteiligten und tausenden Zuschauern erfordert höchste Professionalität. Hier kommt Manuel Silva ins Spiel, bekannt als «Doel» oder offiziell «Doelus della mossa sicura». Er ist der Sicherheitschef (Chef Cortège Sécurité – CCS ) des gesamten Freischaren-Manövers.
Nach einem Zwischenfall mit einem Pferd im Jahr 2010 wurde er gebeten, ein Sicherheitskonzept zu entwerfen. Daraus entstand 2012 der Sicherheits-Zug, der von anfangs 12 auf heute fast 60 ehrenamtliche Mitglieder angewachsen ist – darunter viele Profis aus Feuerwehr, Polizei, Zivilschutz und Rettungsdienst.

Manuel Silva betont: «Jeder Teilnehmer trägt eine Mitverantwortung für den sicheren Ablauf. Ich setze nur die Leitplanken.» Sein Zeitplan in der Manöverwoche, für die er sich extra Urlaub nimmt, ist strikt getaktet:
Montag: Begehung der Schützenmatte mit dem Bauamt und den Reitern, um Gefahrenquellen wie Löcher oder Steine zu beseitigen.
Donnerstag: Materialvorbereitung und Packen der Ausrüstung für die einzelnen Gruppen.
Freitag (Manövertag): Der Tag beginnt morgens in Silvas privatem Garten mit Schminken, Briefing und Materialausgabe für alle 60 Teammitglieder. Während des Manövers fungiert er als «Dirigent», der den Einsatz mit seiner Trillerpfeife steuert und in ständigem Austausch mit dem Stabschef steht.
Dank der engen Zusammenarbeit mit der Regionalpolizei, der Feuerwehr, dem Samariterverein und professionellen Rettungssanitätern sorgt das Team von «Doel» dafür, dass das Freischarenmanöver ein sicheres Erlebnis für alle bleibt.